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    Zum Zerreißen – psychische Belastungen am Arbeitsplatz

    Besondere Dienstleistungen

    Zum Zerreißen – psychische Belastungen am Arbeitsplatz

    die besonderen (02/2014)
    die besonderen (02/2014) Bundesfachbereich 13

    Schwerpunkt: Psychische Belastungen

    Die Berufskrankheit der Moderne

    Psychische Leiden am Arbeitsplatz sind auf dem Vormarsch.
    ver.di und der DGB fordern deshalb dringend eine Anti-Stress-Politik.

    Unsere Arbeitswelt ist sicherer und unsicherer zugleich geworden. Sicherer, weil der monotone, körperlich verbrauchende Industriearbeitsplatz mit seinen schweren Arbeitsunfällen seit Jahrzehnten seltener wird. Unsicherer, weil der multitasking-deregulierte Dienstleistungsjob sich längst durchgesetzt hat. Das hat Folgen auch für die Krankheiten der Arbeitnehmer/innen. Die Berufskrankheit der Moderne ist das psychische Leiden, nicht die Staublunge.

    Stress durch Arbeit schlägt sich ganz konkret in den Statistiken der Rentenversicherung nieder. Fast jede zweite neue Frührente ist psychisch verursacht. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl der Frühverrentungen in Folge psychischer Erkrankungen von 25.000 auf 75.000 im Jahr 2012. Im Durchschnitt sind die betroffenen Arbeitnehmer/innen erst 49 Jahre alt, wenn sie gesundheitsbedingt mit dem Arbeiten aufhören müssen. Grund sind vor allem Depressionen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen sowie Suchterkrankungen. Häufig geht der Frühverrentung eine längere Leidensgeschichte voraus – auch die beruflichen Fehltage nehmen in Folge psychischer Leiden seit der Jahrtausendwende kontinuierlich zu. Von einer Verdoppelung der Fehltage in diesem Bereich spricht die Psychotherapeutenkammer. Und jede/r dritte Berufstätige geht trotz psychischer Probleme zur Arbeit, hat wiederum eine Umfrage der DAK ergeben. Die Angst um den Arbeitsplatz wiegt schwerer als das seelische Leiden – und trägt ihrerseits zur psychischen Belastung bei.

    Hinzu kommt in etlichen Fällen dann noch ein anderes gefährliches Phänomen der beruflichen Neuzeit. Nach einer Studie der AOK haben bereits fünf Prozent der bei der Kasse versicherten Arbeitnehmer/innen innerhalb eines Jahres Psychopharmaka oder Amphetamine zur Leistungssteigerung bei der Arbeit eingenommen – seit Beginn des Jahrtausends hat sich dieses leistungsbewusste, aber gesundheitsschädigende Verhalten immerhin vervierfacht. Entsprechend steigt auch die Zahl der Fehltage infolge von Suchtmittel-Konsum um 17 Prozent in den vergangenen zehn Jahren, auf 2,42 Millionen in 2012. Die Experten der AOK wiesen bei diesen Zahlen zudem auf die hohe Dunkelziffer hin: Sucht kranke würden oft mit anderen Diagnosen krankgeschrieben. [...]

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